Mit dem Fahrrad den Saaleradweg oder gar die D11-Route zu fahren, hatte ich eigentlich so gar nicht auf meinem Plan für diesen Sommer. Weil ich für meine Bikepackingtour auf dem 5-Flüsse-Radweg zuvor jedoch wegen kurzfristig gestrichener Zugverbindungen zwei Anläufe brauchte, hatte ich wenig Lust, es auf dieser Strecke noch einmal mit der Bahn zu versuchen.
Da ich noch ein paar Urlaubstage übrig hatte, entschied ich mich kurzerhand dafür, nur eine Teilstrecke mit der Bahn zurückzulegen und ab Saalfeld in Thüringen so weit das Fahrrad zu nehmen, wie ich Zeit und Lust habe. Den Rest wollte ich dann spontan mit dem Zug überbrücken.
Und so kommt es nun also zu meinem Erfahrungsbericht auf dem Saaleradweg und der D11-Route zwischen Ostsee und Oberbayern. Wie mein Fazit zu dem Teilstück der beiden Fernradwege aussieht und wie weit ich tatsächlich Richtung nach Hause geradelt bin, könnt ihr hier im Beitrag erfahren.

Etappe 1
Von Saalfeld nach Dornburg-Camberg über den Saaleradweg
Meine Radtour über den Saaleradweg hatte ihren Startpunkt passend zum Namen des Radwegs in Saalfeld an der Saale. Hier ging es direkt hinterm Bahnhof landschaftlich schön am Wasser gelegen los. Einfach wunderschön, wie die Sonne so auf dem Wasser glitzerte. Am Tag der ersten Etappe sollte das Thermometer auf über 32 Grad klettern. Viel Wasser und Grün am Weg wären da sicherlich ein angenehmer Wegbegleiter.
Zu diesem Zeitpunkt hoffte ich auch noch, dass auf den gut 78 Kilometern bis zum Ziel, Dornburg-Camberg, viele solcher schönen Wege und Aussichten vor mir liegen würden. Der gute erste Eindruck des Saaleradwegs konnte sich bei mir aber leider nicht sehr lange halten. Nach einigen Kilometern wurde der Weg leider deutlich schlechter. Viel kaputter Asphalt mit Schlaglöchern, Kopfsteinpflaster und leider auch sehr häufig keine Radwege vorhanden. So ging es am ersten Tag viel gemeinsam mit Autos auf der Straße entlang.

Zwischendrin gab es immer wieder auch gut asphaltierte Radwege als Verbindungsstücke zwischen Ortschaften. Dort radelte ich auf glatten Wegen und ohne gefährliche Situationen mit anderen Verkehrsteilnehmern zu erleben. Leider wechselten sich diese guten Wege sehr häufig mit sehr schlechten Wegen ab. Trotz all der positiven Urlaubsstimmung zu Beginn war ich etwas genervt. Geht das den ganzen Weg so weiter oder ist es nur ein kleiner Teil des Weges?
Nach gut 65 Kilometern erreichte ich Jena und freute mich über ein schattiges Plätzchen im Café, um der Mittagshitze zu entkommen. Mittlerweile war es brütend heiß und jeder kleine Schatten brachte Erleichterung.
Das Ende dieser ersten Etappe auf der D11-Route stimmte mich dann wieder etwas versöhnlicher. Direkt am Ziel hatte ich einen guten Ausblick auf die Dornburger Schlösser. Dieser Anblick entschädigte mich für die sonst eher durchwachsene erste Etappe auf dem Saaleradweg bzw. der D11-Route und stimmte mich im Hinblick auf die nächste Etappe wieder positiver.

Etappe 2
D11-Radroute von Dornburg Camberg nach Halle (Saale)
Tag zwei auf der D11-Route beginnt genau so schön, wie Tag eins geendet hat, mit einem tollen Ausblick auf die Dornburger Schlösser. Heute liegen noch gut 96 Kilometer zwischen mir und meinem Tagesziel: Halle an der Saale. Das Wetter verspricht wieder viel fließenden Schweiß, aber das ist mir zum Glück lieber als Wind und Regen.
Der Tag startet ganz zu meiner Freude mit guten Radwegen und oft direkt neben der Saale. Genau so hatte ich mir diesen Radweg erhofft. Leider ergeht es mir hier ähnlich wie am Vortag. Nach wenigen Kilometern ist der Weg wieder ein Flickenteppich aus Schlaglöchern, bunt zusammengewürfeltem Untergrund, und es lässt sich erahnen: ohne Fahrradweg direkt auf der Straße.


Die Route führt heute durch einige Ortschaften, unter anderem Naumburg und Merseburg. Hier lohnt es sich, einen kurzen Abstecher zu machen, um sich umzuschauen. Zwischendurch hat man auf der Route auch immer wieder einen Blick auf Schlösser oder Burgen. Das sind von dieser Etappe dann auch die Highlights des Tages. Umso näher man Halle kommt, umso flacher verläuft die Route auch. Wer also keine Höhenmeter mag, kann gut ab Naumburg erst in die Tour einsteigen.
Etappe 3
Von Halle nach Nienburg: immer am Saaleradweg entlang
Heute starte ich meine dritte Etappe auf dem Saaleradweg/D11-Route und bin selbst fast überrascht, dass mein Tag nicht am Bahnhof beginnt.
Nachdem die Route bislang nicht wirklich das war, was ich mir erhofft hatte, habe ich am Vorabend überlegt, direkt mit dem Zug nach Hause zu fahren oder ab Halle eine ganz neue Route zu starten. Letztlich habe ich mich dann doch dafür entschieden, der D11-Route und meiner Radtour entlang der Saale noch eine Chance zu geben. Und ich kann direkt spoilern: Ich wurde nicht enttäuscht. Bereits aus Halle raus gibt es flächendeckende Radwege und kaum ist man aus der Stadt geradelt, geht es so weiter.

Meine dritte Etappe auf dem Saaleradweg verwöhnt mit tollen Radwegen direkt durch die Natur. Auch eine kleine Fahrt mit der Fähre in Brachwitz bei Wettin-Löbejün ist heute Teil des Programms. Highlight meines Tages ist neben dem naturnahen Radweg definitiv Bernburg. Kurz vor meinem Ziel in Nienburg überrascht mich diese Stadt, von der ich bisher nichts wusste, mit einem grandiosen Ausblick auf Schloss Bernburg.
Mit diesem tollen Ausblick vom Wasser aus kommt direkt Urlaubsfeeling auf und lädt dazu ein, etwas weniger in der Stadt zu verweilen.


Nach einer kurzen Stadtrundfahrt mit dem vollbeladenen Fahrrad gönne ich mir in der Innenstadt noch einen Eisbecher und radle dann entspannt über den gut ausgebauten Weg bis nach Nienburg weiter. Das waren heute definitiv eine tolle Etappe und ein schöner sonniger Tag auf dem Rad.
Etappe 4
Schlussetappe D11-Route von Nienburg nach Lutherstadt Wittenberge
Nach der grandiosen dritten Etappe war meine Vorfreude auf die vierte Etappe besonders groß. Ein weiterer heißer Tag sollte mich auf den gut 75 Kilometern bis nach Lutherstadt Wittenberge erwarten. Schnell wurde mir allerdings klar, dass die Strecke leider keineswegs Grund zur Vorfreude bot.
Kilometer für Kilometer wechselte der Belag zwischen Kopfsteinpflaster und anderem Kopfsteinpflaster. So langsam wurde meine Enttäuschung größer. Nachdem die ersten 12–14 Kilometer auf fast ausschließlich schlechtem Kopfsteinpflaster langführten, entschied ich kurzerhand, dass ich in Lutherstadt nicht wie geplant die Etappe beende, sondern direkt meine Tour und ab dort mit dem Zug heimfahre.
Da ich meine Route von Anfang an flexibel halten wollte und ich die Strecke zwischen Berlin und Lutherstadt bereits mehrfach mit dem Fahrrad gefahren bin, erschien mir das als gute Lösung. Durch meine vorangegangene Radreise durch Bayern war ich bereits seit 9 Tagen mit dem Rad auf Bikepackingtour unterwegs. Zeit für mich, nach Hause zu fahren.


Ab ungefähr 14 Kilometern veränderten sich der Weg und die Beschaffenheit gänzlich. Den Saaleradweg habe ich mittlerweile hinter mir gelassen, da die Saale bei Barby in die Elbe mündet. Und der Elbradweg machte sich ab da auch sofort bemerkbar.
Die Wege sind wie ausgewechselt. Breite, gut befahrbare Radwege durch die Natur und am Wasser entlang. So hatte ich mir den Fernradweg vorgestellt. Unterwegs hat man neben viel Grün und verschiedenen Tierarten auch immer wieder andere schöne Punkte, die zum Verweilen einladen. Insbesondere das Wörlitzer Gartenreich bei Oranienbaum ist einen Zwischenstopp wert und Anziehungspunkt für viele Touristen.
Einige Kilometer später endet meine Reise und Bikepackingtour über die Teilstrecke der D11-Route und den Teil des Saalradwegs dann offiziell am Bahnhof in Lutherstadt Wittenberge.

Fazit
4 Tage Bikepacking über Teile des Saaleradwegs und der D11-Route liegen hinter mir. Meine Reise ist schon etwa zwei Monate her und rückblickend habe ich sehr gemischte Gefühle.

Oft bleibt mir nach einer durchwachsenen Radtour nur das Positive im Gedächtnis, da die schönen Sachen meist überwiegen und man über die wenigen schönen hinwegsehen kann und möchte. Und von diesen schönen Sachen gab es unterwegs definitiv sehr viele. Tolle Natur, tolle Radwege. Vor allem aber die vielen Schlösser und Burgen und tollen Aussichten darauf bleiben mir sehr in Erinnerung.

Allerdings habe ich auch die vielen wirklich ungeeigneten Wege noch im Hinterkopf. Fehlende oder schlechte Radwege und immer mal Kopfsteinpflaster sind kein Problem und damit arrangiert man sich als Radfahrer gezwungenermaßen sehr schnell. Leider gab es auf dieser Route für meinen Geschmack etwas zu viel davon.
Vielleicht bin ich auch mit etwas zu hohen Erwartungen in die Bikepackingtour gestartet? Ich weiß es nicht. Aber ich würde definitiv in Zukunft auch die fehlenden Teilstücke der D11-Route und des Saaleradwegs noch fahren, um mir ein besseres Gesamtbild machen zu können.
Bist du den Saaleradweg oder die D11-Route auch schon mit dem Fahrrad gefahren oder steht die Tour noch auf deiner Liste? Welche Teilstrecke hat dir besonders gut gefallen?
Du planst gerade deinen nächsten Bikepacking-Trip? Dann schau gern bei meinen Tourentipps vorbei und hol dir dort auch meine kostenlose Bikepacking-Packliste.
