Berlin. Fahrradstraße. Ein sonniger Herbsttag. Zu zweit radeln wir entspannt nebeneinander die Fahrradstraße entlang. Es ist wenig los heute. Wir freuen uns, von der lauten und hektischen Hauptstraße weg zu sein. Rechts von uns parken Autos. Die Fahrspur ist schmal. Mehr als zwei Radfahrende oder ein Auto passen hier zeitgleich nicht durch.
Hinter uns nähert sich ein Auto. Ich werde nervös, weil ich befürchte zu wissen, was als Nächstes kommt. Meine Befürchtung bewahrheitet sich leider schnell. Das Auto fährt unnötig dicht auf uns auf. Hupt. Drängelt. Der Fahrer motzt. Überholen mit dem gesetzlich vorgeschriebenen Mindestabstand? Unmöglich. Die Person im Auto möchte es trotzdem unbedingt. Situationen wie diese erlebe ich und wahrscheinlich auch viele andere Radfahrende unnötig oft.
Gerade in der Fahrradstraße würde man aber doch erwarten, dass andere Verkehrsteilnehmer froh sein sollten, überhaupt durchfahren zu dürfen, und sich entsprechend respektvoll verhalten.
Das Radfahrer im Straßenverkehr immer wieder Vorurteilen und Hass begegnen ist nichts Neues. Auch untereinander gibt es bei Verkehrsteilnehmern immer wieder Konflikte. In meinem Artikel über diese Klischees und Radfahrer mit Übergewicht habe ich das bereits thematisiert.
Doch wer ist hier eigentlich im Recht? Für welche Verkehrsteilnehmer gelten welche Regeln für die Fahrradstraße? Schauen wir uns das doch mal etwas genauer an.

Regeln in der Fahrradstraße im Überblick
- In einer Fahrradstraße dürfen nur Fahrräder und E-Scooter fahren (Zusatzschilder können Auto- und Motorradverkehr zulassen).
- Es gilt eine Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h.
- Der Radverkehr darf weder gefährdet noch behindert werden. Wenn nötig, muss der Kraftfahrzeugverkehr die Geschwindigkeit weiter verringern.
- Radfahrende dürfen nebeneinander fahren.
Soweit so gut. Die in der StVO genannten Regeln wirken auf den ersten Blick sehr übersichtlich und leicht verständlich und sind nun wirklich nicht so umfassend, dass man sich das nicht merken könnte. Radfahrer dürfen nebeneinander fahren. Tempo 30 gilt für alle Fahrzeuge. Autos sind nicht grundsätzlich verboten, müssen aber die Regeln beachten und Rücksicht nehmen. Das ist eigentlich alles kein Hexenwerk.
Weshalb aber gibt es dann so häufig Konflikte rund um die Fahrradstraßen?
Ich denke, am Ende geht es leider wie so oft nur um ein paar Meter Asphalt und vor allem ums Ego. Es reicht schon, wenn eine Person im Auto denkt, sie müsse Radfahrer gefährden und zu eng an ihnen vorbeifahren, weil sie Angst hat, 2 Sekunden Zeit zu verlieren. Oder ein Radfahrer, der die Regeln nicht kennt.
Eine Fahrradstraße und ein paar Schilder allein lösen dieses Problem leider nicht. Wäre es sinnvoll, wie in den Niederlanden mehr Fahrradstraßen einzuführen? Wer einmal in unserem schönen Nachbarland unterwegs war, dem fallen schnell die „Fietsstraat – auto the gast“-Schilder auf.
Mehr Verkehrsbereiche dieser Art würden Verkehrsteilnehmer vielleicht sensibilisieren und dazu anregen, sich mit den Regeln auseinanderzusetzen. Kommt man täglich 3-mal daran vorbei, ist es einprägsamer, als wenn man einmal im Monat zufällig eine Fahrradstraße mit Halbwissen durchquert.

Während ich die Einführung von mehr Fahrradstraßen absolut befürworte, sehe ich aber vor allem die Menschen selbst in der Verantwortung. Eine Fahrradstraße ist kein rechtsfreier Raum. Nicht für Radfahrende. Nicht für ungeduldige Autofahrer.
Stattdessen sollten alle mal einen Gang runter schalten, nicht nur beim Verkehrsmittel, sondern vor allem bei den Emotionen. Mehr miteinander statt gegeneinander. Mehr Achtsamkeit und Vorsicht statt Egoismus und Zeitdruck. Schließlich wollen alle Verkehrsteilnehmer einfach nur sicher und entspannt an ihr Ziel kommen.
Alle Angaben in diesem Beitrag wurden sorgfältig recherchiert, erfolgen jedoch ohne Gewähr.
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