Radfahren mit Übergewicht
Radfahren mit Übergewicht

Radfahren mit Übergewicht

Radfahren mit Übergewicht –  geht das Überhaupt? Auf jeden Fall. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: es geht nicht nur irgendwie, sondern in den meisten Fällen sogar sehr gut. Und nicht nur das,- es bringt auch jede Menge Vorteile mit sich. Grund genug, sich dem Thema Radfahren mit Übergewicht mal etwas genauer zu widmen.

Gesundheitsfördernd

Das Fahrradfahren gut für Körper und Geist ist, ist für die meisten sicherlich keine neue Information. Dadurch ist es für Menschen aus allen Altersstufen eine gute Option, sich fit zu halten oder es zu werden. Doch wie sieht es aus, wenn man ein paar Kilo mehr hat?

Ausdauer

Fahrrad fahren vereint viele verschiedene gesundheitliche Vorteile miteinander. Wer regelmäßig im Sattel sitzt und drinnen oder draußen Fahrrad fährt, stärkt seine Ausdauer. Das funktioniert ganz unabhängig von Alter oder Gewicht. Gerade wer bislang vielleicht wenig Sport gemacht hat und einen guten Einstieg sucht, um etwas fitter und gesünder zu werden, ist mit Radfahren an der richtigen Sportart.
Man kann selbst das Tempo und die Fahrtdauer wählen und diese langsam steigern. Durch das Setzen von kleinen und realistischen Zielen verspürt man schnell Erfolge und kann seine Ausdauer stetig steigern. Das wiederum ist gut für Herz und Kreislauf, ohne den Körper direkt zu überfordern. Für mich war es der ideale Einstieg in Sport und Bewegung. Ich fing langsam an, kurze Strecken zu fahren und steigerte das nach und nach. Irgendwann schaffte ich so sogar über 120 km am Stück zu fahren.

Gelenkschonend

Wer Fahrrad fährt, tut etwas für seine Gelenke. Durch die moderaten und gleichmäßigen Bewegungen auf dem Rad werden unsere Gelenke mobilisiert. Zusätzlich dazu stärkt Radfahren Sehnen, Bänder und unsere Muskulatur. Diese wiederum können dabei helfen Gelenkerkrankungen vorzubeugen.
Für Radfahrerende mit Übergewicht kommt hinzu, dass man die Knie nicht so stark belastet wie bspw. beim Joggen oder anderen Sportarten.  Ich selbst leide unter Arthrose und hatte lange Zeit Schwierigkeiten, schmerzfrei in Bewegung zu bleiben. Wenn ich aktuell Knieschmerzen habe hilft mir das Radfahren oftmals sogar diese loszuwerden. Durch gleichmäßiges treten wird mein Kniegelenk mobilisiert, ohne zu stark gefordert zu sein. So fahre ich den Schmerz einfach weg. Das funktioniert natürlich nicht jedes Mal. Aber oft genug hat es mir schon schmerzfreie Tage verschafft.

Aus meiner persönlichen Erfahrung rate ich dir dazu, eher eine höhere Trittfrequenz, statt einen hohen Gang zu wählen, dass ist gut für Gelenke und Ausdauer. All das macht das Fahrrad besonders für Menschen, die schwerer sind zu einer guten sportlichen Betätigung.

 

Koordination und Gleichgewicht

Man muss treten, um im Gleichgewicht zu bleiben. Radfahrer benötigen nicht nur einen guten Gleichgewichtssinn, sondern trainieren diesen während der Fahrt auch. Das geschieht ganz automatisch. Durch das gleichzeitige treten und lenken werden zusätzlich verschiedene Muskelgruppen angesprochen. Diese muss man während der Fahrt miteinander koordinieren, um einen Sturz zu vermeiden. Weitere gesundheitliche Vorteile vom Radfahren lassen sich unter anderem hier nachlesen.

Radfahren mit Übergewicht

 

Abnehmen durch Fahrradfahren

Radfahren mit Übergewicht eignet sich auch für Menschen, die eben dieses loswerden wollen. Nicht jeder, der Fahrrad fährt, tut das, um fit zu werden. Manch einer fährt aus praktischen Gründen, um von A nach B zu kommen. Andere fahren vielleicht, weil sie sich gern draußen bewegen wollen. Und wieder andere fahren wegen sportlicher Ziele. All das sind gute Gründe, sich auf den Sattel zu schwingen.
Unabhängig von den Motiven, die Leute aufs Fahrrad bringen, haben aber alle, freiwillig und unfreiwillig, die gesundheitlichen Vorteile des Radfahrens als Nebeneffekt.
Abgenommen wird vor allem in der Küche. Ohne gesunde Ernährung und eine langfristige Ernährungsumstellung, wird sicherlich niemand dauerhaft abnehmen. Trotzdem kann Bewegung hier eine große Rolle spielen. Durch Fahrradfahren werden viele verschiedene Muskelgruppen angesprochen. Wenn du regelmäßige radelst, förderst du dadurch deine Fettverbrennung und regst den Stoffwechsel an. Das wiederum sorgt dafür, dass du zusammen mit einer gesunden Ernährung auch mit Radfahren abnimmst. Da Radfahren gelenkschonend ist, eignet es sich auch für Menschen mit eher hohem Gewicht gut als Einstieg in den Sport.

 

Das richtige Fahrrad finden

Das Radfahren mit Übergewicht gut für die Gesundheit ist, haben wir im vorherigen Abschnitt ja bereits feststellen können. In der praktischen Umsetzung gibt es manchmal aber den einen oder anderen Stolperstein. Egal, ob du bereits ein Fahrrad zuhause stehen hast oder noch nicht im Besitz eines Rades bist. Zu Beginn sollte man immer die Fragen klären, was für ein Rad passt zu mir.

 

Systemgewicht

Fahrräder haben eine maximales Systemgewicht, das du auf jeden Fall beachten solltest. Maximales Systemgewicht beinhaltet dein eigenes Gewicht+ Gewicht des Rades+ alle angehängten Gepäckstücke. Natürlich weiß man vorab nicht immer, wie schwer eine Gepäcktasche ist. Aber zumindest die ersten beiden Komponenten sollte man relativ einfach berechnen können.
Am besten fragst du beim Fahrradhändler deines Vertrauens direkt nach, welches Fahrrad die passende Auslastung bietet. Sollte keins vor Ort sein, können die Händler oft auch Räder bestellen. Dadurch kann man dann vor Ort nochmal ausgiebig testen.

Fahrrad mit Gepäcktaschen für Bikepacking
Auch Gewicht von Taschen sollte man vorab bedenken

 

Fahrradtypen

Vom klassischen Hollandrad* bis hin zum Rennrad*. Der Fahrradmarkt bietet uns unzählige Möglichkeiten uns auf 2 Rädern fortzubewegen. Bevor du loslegst, solltest du dir also genau überlegen, welches Fahrrad für dich und deine Ziele das passende ist.
Sicherlich ist es dafür auch sinnvoll, sich selbst zu fragen, wie fit man bereits ist. Sich fordern ist gut sich überfordern kann schnell auch dazu führen, dass man es ganz aufgibt. Ein paar weiterführende Tipps zum Radfahren für Anfänger findest du auch hier in meinem Blog.

Ich habe mir zunächst ein normales Citybike von Kettler zugelegt. Das Fahrrad fährt sich toll und bringt viel Spaß. Da es eine starre Gabel, hat habe ich aber ab ca. 30 Kilometer fahren gemerkt, dass es eher für kürzere Wege gut ist, weil ich sonst Rückenschmerzen bekomme. Auch die sehr schlechten und unebenen Radwege in Berlin waren damit oft unangenehm. Deswegen habe ich mir dann ein Crossrad mit Federung zugelegt, weil das für lange Strecken einfach besser zu mir passt. So muss jeder für sich schauen, was das beste für einen selbst ist und sich nicht von anderen beirren lassen.

Cityrad von kettler Alurad
Mein Fahrrad von Kettler

Solltest du lange Zeit relativ wenig mit Sport in Berührung gekommen sein und vielleicht zusätzlich dazu in einer sehr bergigen Region wohnen, kann es auch sinnvoll sein, sich für den Einstieg ein E-Bike anzuschaffen. Je nach Fitnesslevel und Gewicht bietet dieser Fahrradtyp für Radfahrer mit Übergewicht eine gute Startgrundlage. Durch die Unterstützung des Motors kannst du gut testen, wie weit du allein kommst und wo deine Grenzen liegen. Eine Studie zeigt, dass auch E Bike fahren die Gesundheit und Fitness durchaus fördern kann.

Prinzipiell bin ich aber der Meinung, dass Übergewicht und E-Bike nicht zwangsläufig zusammen gehören müssen. Auch für Menschen mit Übergewicht sind Citybikes, Gravelbikes oder andere Fahrradtypen gut geeignet. Auch hier gilt natürlich wieder: überlege dir gut, wie du fahren möchtest. Lass dich beraten und teste ausführlich und dann findest du sicherlich für dich das passende Fahrrad.

Frau fährt im Herbst mit Fahrrad über Feld

 

Klamotten und Klischees

Glaubt man was uns im Internet gezeigt wird, geht man wahrscheinlich davon aus, dass Radfahrer männlich wie weiblich alle Größe 36 tragen. Sie alle sind schlank und leicht und genau für diese Leute werden auch Fahrradklamotten hergestellt.
Natürlich entspricht das, wenn man genauer hinschaut, kein bisschen der Realität. Auf den ersten Blick wirkt es allerdings so, als wäre der Radsport nur für dünne Menschen ausgelegt. Als ich anfing, es mit dem Radfahren intensiver anzugehen, wollte ich mir auch gern spezielle Radbekleidung kaufen. Eine gepolsterte Hose* für längere Touren und vielleicht auch ein Trikot* was hinten etwas länger ist, nichts Ausgefallenes. Einfach Sachen, dass ich mir beim Radfahren keine Sorgen machen muss, weil am Rücken alles frei liegt. Und eine gute Hose, dass ich mich nicht nach einigen Kilometern wund fahre.
Nach unzähligen Besuchen in Sport- und Fahrradläden in der Nähe habe ich dann recht schnell gemerkt, dass die meisten Geschäfte maximal bis Größe 44 Auswahl haben. Mit viel Glück gab es auch mal eine 46, das war aber eher selten der Fall. Nicht überraschend, dass viele Leute dadurch entmutigt sind und vielleicht auch den Eindruck bekommen im Radsport gar nicht willkommen zu sein.
Nachdem ich in lokalen Geschäften die Suche aufgegeben habe bin ich dann im Internet auf einige Anbieter gestoßen, die eine breitere Größenpalette anbieten. Mittlerweile trage ich fast ausschließlich Radbekleidung von Gonso, weil mir die Sachen nicht nur gut passen, sondern mir auch optisch zusagen.
Auch hier bekommt man schnell ungefragt von anderen die Meinung zu hören. Die einen tragen nur diese Marke, die andere nur diese. Man soll nur Bibs tragen, man soll nur Bundhosen tragen. Ich denke unabhängig vom Gewicht sollte man tragen was einem gut passt und gefällt und sich weniger davon beeinflussen lassen was andere sagen.

Frau in Fahrradbekleidung
Meist unterwegs in Radbekleidung von Gonso.

 

Zusammenfassend lässt sich also festhalten, dass Radfahren mit Übergewicht auf jeden Fall möglich ist. Es gibt die ein oder andere Besonderheit, die man beachten sollte. Vielleicht auch das ein oder andere Problem mehr. Insgesamt überwiegen jedoch die Vorteile. Es eignet sich super, um sich fit zu halten oder fitter zu werden und führt einen dabei langsam an Ausdauersport ran und schont dabei sogar die Gelenke.

Alle Körper gehören aufs Fahrrad die es wollen. Zu diesem Thema hat sich sogar eine Bewegung gebildet die All Bodies on Bikes heißt. Für mich geht es nicht um Body Positivity. Viel wichtiger finde ich es Leute nicht auszuschließen, nicht zu verurteilen und eine Gemeinschaft zu bilden in der alle willkommen sind. Grundsätzlich ist es aber immer ratsam, vorher mit seinem Arzt zu sprechen, ob Radfahren auch für dich geeignet ist und worauf du am besten achten solltest.

 

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