1 /2 Bikepacking Trip von Berlin nach Chemnitz und die 100km Marke
1 /2 Bikepacking Trip von Berlin nach Chemnitz und die 100km Marke

1 /2 Bikepacking Trip von Berlin nach Chemnitz und die 100km Marke

Gerade haben wir nach dem Umzug so langsam alles an Ort und Stelle, da heißt es auch schon wieder packen. Packen für den ersten Bikepackingtrip 2022: Bikepacking von Berlin nach Chemnitz. Im Jahr zuvor waren wir bereits in einer 2-tägigen Tour von Berlin nach Lutherstadt Wittenberge gefahren – unsere längste Strecke bis dahin und unsere erste Bikepacking Tour überhaupt. Und einige Wochen später fuhren wir eine 3-tägige Tour durch Franken und Thüringen, die es aufgrund der Höhenmeter in sich hatte und die ein oder andere Herausforderung bereithielt. Nun aber zurück zur Tour Ende Juli/Anfang August 2022.

Plan war, Bikepacking von Berlin nach Chemnitz, um zur Hochzeitsfeier meiner Schwester in Sachsen mit dem Fahrrad anzureisen. In 3 Tagen wollte ich zusammen mit meinem Freund 280 km und ca. 1300 Höhenmeter zurücklegen. Für uns auf jeden Fall eine Mammutaufgabe. Leider liefen die Wochen zuvor auch sehr stressig ab, so dass wir uns in Sachen sportlicher Vorbereitung nicht ganz optimal auf unseren kleinen Trip vorbereitet hatten. Zeit, um lange darüber nachzudenken, blieb uns zum Glück nicht. Und so starteten wir am Samstag, dem 30. Juli 2022, unsere 3. Bikepackingtour.

Fahrrad mit Bikepackingtaschen für Bikepacking von Berlin nach Chemnitz.
Das Cube Nature Pro ist bereit für die Abfahrt.

 

Tag 1

Für Tag 1 für unser Bikepacking von Berlin nach Chemnitz war geplant, dass wir knapp über 100 km bis Lutherstadt Wittenberge fahren und dort in einer kleinen Pension übernachten. Soviel am Stück war zumindest ich bis dahin nicht gefahren. Entsprechend nervös war ich und hoffte, dass ich einen guten Tag erwische, an dem alles reibungslos klappt. Wie das mit den perfekten Plänen so ist, sollte auch hier nicht alles gut gehen.

Bereits an der zweiten Kreuzung, ca. 600 m von Zuhause, mussten wir den ersten Stopp einlegen. Marco sollte meine Apidura Fronttaschen an seinem Gravelbike mitnehmen, da sein Fahrrad leichter ist und er deswegen mehr Gewicht durch die Taschen nehmen sollte als ich, um es auszugleichen. Leider schliff die Tasche an seinem Vorderrad, was ihn nicht nur beim fahren behinderte, sondern auch die Tasche in Mitleidenschaft zog. Es nützte alles nichts – ich musste die beiden Taschen selbst nehmen. Mittlerweile nutzen wir die Spannbänder von Fixplus*, damit ist das mit der Fronttasche kein Problem mehr.

Etwas schwerer bepackt als geplant, führte Komoot uns einmal komplett von Ost Berlin nach Westberlin. Dabei nahmen wir so ziemlich jede rote Ampel mit, während die Sommerhitze sich langsam ihren Weg bahnte. Kurz bevor wir es aus der Stadt herausgeschafft hatten, hielten wir an, damit Marco einem Radfahrer, der eine Panne hatte, helfen konnte. Leider war der Mann so panisch und aufgeregt, dass er sein eigenes Rad mehr kaputt machte, anstatt irgendetwas Sinnvolles zu vollbringen oder es ganz Marco zu überlassen. Da er leider kein Deutsch und Englisch konnte, gaben wir und er schließlich irgendwann auf und fuhren nach kurzer Verabschiedung weiter.

Langsam schafften wir es raus aus der Stadt in Richung Wannsee und Erleichterung machte sich breit. Endlich konnten wir nun schnell ein paar Kilometer hinter uns bringen – es sollte schließlich noch ein langer Weg werden. Kurz bevor wir am Wannsee ankamen, passierte es dann. Marco stürzte direkt vor meinen Augen und landete mitsamt Fahrrad und Taschen auf dem Boden. Der Schreck saß tief. Nachdem wir eine kurze Bestandsaufnahme gemacht haben und festgestellt haben, dass er und das Fahrrad keine größeren Schäden hatten, entschieden wir uns für eine kurze Pause zum Durchatmen. So viel war in so kurzer Zeit bereits schiefgelaufen. Dabei dachten wir uns, die eigentlichen Herausforderungen stehen doch erst bevor, wenn wir aus der Stadt rausgefahren sind.

Radfahrer macht Pause und hat Verletzung am Arm
Kurze Pause beim Bäcker nach dem Sturz.

 

Radfahrer tragen Fahrrad Treppen runter
Nicht alle Routen erweisen sich als befahrbar.

Nach einer kurzen Pause beim Bäcker konnten wir den Schock erstmal verdauen und haben entschieden, trotz aller Anfangsschwierigkeiten weiterzufahren. Langsam stieg die Nervosität in mir, hatte ich doch gedacht, dass alles perfekt laufen muss, damit ich diese Distanz bei den Temperaturen überhaupt schaffen kann. Zunächst ging es etwas chaotisch weiter. Komoot schickte uns Wege entlang, die es gar nicht gab, oder wo wir plötzlich vor unüberwindbaren Zäunen standen. Tröstlich war immerhin, dass es nicht nur uns so erging, sondern viele andere Radfahrer auch planlos im Wald standen und Navigationsprobleme hatten. Der restliche Weg lief glücklicherweise relativ problemlos.

Im Wechsel machten die Hitze und der starke Gegenwind uns das Leben relativ schwer, doch wir strampelten eisern Kilometer um Kilometer ab und näherten uns stetig unserem Ziel. Und irgendwann war er dann da – der Moment, den ich so herbeigesehnt hatte. Die 100 km-Marke war endlich geschafft. So viel bin ich nie zuvor am Stück gefahren, und das bei dem Gegenwind und unseren Startschwierigkeiten. Ich war mächtig stolz, aber auch ziemlich kaputt. Leider war die 100 km-Marke an einem wenig fotogenen Ort. Und auch ich war längst im besten Tomatenrot, gefärbt von der Anstrengung. Dennoch möchte ich den Moment hier kurz festhalten und teilen, da er für mich so besonders war und ist.

Radfahrerin macht Bikepacking
Irgendwo im Nirgendwo knackte ich die 100 km. Erschöpft aber stolz und glücklich.

 

Fahrradcomputer zeigt 100km Strecke an
Der Wahoo Computer zeigt 100 Kilometer an.

Kurz nach den 100 km hätten wir eigentlich am Ziel sein müssen. Leider mussten wir unsere Route dann doch nochmal umplanen, weshalb die geplante Route sich auf knapp 120 km verlängern sollte. Ich war am Boden zerstört. Noch 20 Km? Ich hatte doch erreicht, was ich erreichen wollte, und das geplante Tagesziel geschafft. Wie soll ich das noch schaffen? So langsam kamen auch die ersten Wehwechen. Neben der normalen Anstrengung meldete sich langsam der Körper, da ich die Sitzposition für so lange Zeit gar nicht gewohnt war.
Ich wollte eigentlich nur noch ankommen. Eine kurze Fotosession an einer schönen Bank später waren wir dann endlich da. Die letzten 10 Km waren wirklich eine ganz schöne Qual und nur noch Willenssache. Zu der Zeit hatte der Körper längst aufgegeben und jeder Tritt in die Pedale war nur noch Kopfleistung. Angekommen freute ich mich dennoch über unsere Leistung und war überglücklich und stolz über diesen Tag im Sattel, wo wirklich alles dabei war. Nun hieß es, die kurze Zeit, die vom Tag noch verlieb, für eine möglichst gute Regeneration nutzen, da ja noch weitere Etappen bevorstehen sollten.

Radfahrerin sitzt auf Bank

 

Paar fährt Fahrrad
Kurz vorm Ziel. Beider erschöpft, aber glücklich.

 

Route von Berlin nach Lutherstadt Wittenberge
121 Km waren es an diesem Tag.

 

Hier gehts zu Tag 2+3 vom Bikepacking Berlin Chemnitz.

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